Im Jagdrevier Weiler wurde am vergangenen Freitag ein Rehkitz mit einer frischen Bissverletzung am Äser (dem Mund) aufgefunden, aller Wahrscheinlichkeit nach verursacht durch einen freilaufenden Hund. Die Jägerinnen und Jäger hatten die klagenden Rufe des Tieres gehört – zur Mittagszeit ein ungewöhnliches und alarmierendes Zeichen. Nach längerer Suche konnte das Kitz entdeckt und eingefangen werden. Von der Mutter fehlte jede Spur. Das Kitz hatte bereits stundenlang nach ihr gerufen. Wahrscheinlich hat sie ihr Kitz wegen des Hundekontakts und den dadurch verursachten Geruch verwaist.
Das Rehkitz, inzwischen „Albert“ getauft, konnte mit viel Glück in eine erfahrene Pflegestelle vermittelt werden. Dort wird es nun intensiv betreut. Ob es überlebt, ist noch ungewiss.
Die Aufnahme eines Rehkitzes ist kein einfacher Akt der Tierliebe, sondern eine hochsensible und anspruchsvolle Aufgabe:
„Eine Pflegestelle für ein Rehkitz zu finden ist sehr schwierig. Die Aufzucht gilt als Königsdisziplin der Wildtierrettung. Rehkitze trinken nur, wenn sie sich wohlfühlen und das oft ausschließlich bei einer Bezugsperson. Die Milch muss exakt temperiert und abgestimmt sein. Nur bestimmte Ziegenmilch wird vertragen, falsche Ernährung führt schnell zu tödlichen Darmproblemen. Anfangs brauchen Kitze alle zwei bis drei Stunden Milch, Tag und Nacht. Kein Urlaub, keine spontane Pause – die Betreuung ist intensiv und dauert fast ein Jahr“, berichtet die Frau des Jagdpächters.
Die Retter betonen: „Wir hatten großes Glück, Albert unterbringen zu können. Aber solche Pflegestellen sind selten – und die Tiere überleben es nicht immer.“
Setzzeit ist noch nicht vorbei!
Die Kreisjägerschaft weist darauf hin, dass die Brut-und Setzzeit aktuell noch andauert. Auch in den kommenden Wochen werden Rehkitze und andere Jungtiere im hohen Gras oder am Waldrand abgelegt – gut getarnt und scheinbar allein. Die Mutter bleibt meist in der Nähe. Die Jägerinnen und Jäger appellieren eindringlich:
1. Hunde anleinen – Wildtiere schützen!
Ein freilaufender Hund kann für Wildtiere – insbesondere Jungtiere – zur tödlichen Gefahr werden. Selbst der gehorsamste Familienhund folgt draußen seinem Instinkt. Deshalb gilt: Bitte leinen Sie Ihren Hund an – besonders jetzt!
2. Rehkitze nicht anfassen!
Was wie ein „Findelkind“ aussieht, ist meist nicht verwaist. Die Mutter kehrt zurück, wenn sie nicht durch menschliche Nähe oder Geruch vertrieben wird. Fassen Sie Rehkitze keinesfalls an und entfernen Sie sich ruhig vom Fundort. Die Aufnahme und Pflege von Rehkitzen ist die absolute Aufnahme und darf erst nach einer Beurteilung erfahrener und sachkundiger Personen erfolgen!
Pressemitteilung der Kreisgruppe Ahrweiler im Landesjagdverband Rheinland-Pfalz e.V.
Wir danken Jana Kröger und dem Revier Weiler für den Bericht und ihren Einsatz!